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Camino del Norte Erfahrungsbericht 2026: 1.215 km bis Fisterra

Camino del Norte Erfahrungsbericht 2026: 1.215 km bis Fisterra

Mein Camino del Norte Erfahrungsbericht 2026 beginnt in Irún und endet nach rund 1.215 Kilometern am Kap Fisterra. Dazwischen lagen sechs Wochen voller Küstenwege, Höhenmeter, Regen, langer Etappen, kleiner Pannen und vieler starker Momente – deutlich anders als auf meinem Camino Francés im Jahr zuvor.

Tag 1: Über Biarritz nach Irun

Inhaltsverzeichnis Anzeigen

Vor 368 Tagen hatte ich am Startpunkt des Camino Francés gestanden. Jetzt ging es wieder los. Diesmal führte mich meine Anreise über Biarritz und Hendaye nach Irun, an den Anfang meines Camino del Norte. Vor mir lagen die nordspanische Küste, der Weg durch Galicien und schließlich Santiago de Compostela. Anschließend wollte ich weiter bis Fisterra. Anfangs war ich mir allerdings noch nicht sicher, ob ich nur bis Santiago oder weiter bis Fisterra laufen würde.

Zum ersten Tag gehörte auch Hondarribia. Noch wurde nicht von morgens bis nachmittags gewandert. Erst einmal ging es ums Ankommen, Orientieren und um eine Frage, die mich in den nächsten Wochen erstaunlich häufig beschäftigen sollte: Wo bekomme ich etwas zu essen?

In Irun suchte ich nach der Altstadt, einer Einkaufsstraße und einem Restaurant in der Nähe meiner Unterkunft. Zwischendurch überlegte ich, ob ich besser in Hondarribia essen sollte. Am Anfang war das noch eine Auswahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten. Später auf dem Camino war ich manchmal schon froh, wenn überhaupt eine Küche geöffnet hatte.

Mit dem Camino Francés hatte ich bereits einen langen Jakobsweg kennengelernt. Ganz ohne Vergleich konnte ich deshalb natürlich nicht loslaufen. Wie würde sich die Nordroute wandern? Wie würden die Unterkünfte sein? Und wie gut würde der Alltag aus Laufen, Essen, Wäsche und Schlafplatzsuche funktionieren?

Über die körperlichen Unterschiede musste ich jedenfalls nicht lange rätseln. Die erste Wanderetappe nach San Sebastián gab mir bereits eine recht deutliche Antwort.

Von Irun nach San Sebastián: Der Norte macht sich bemerkbar

Ungefähr 25 Kilometer hatte ich für den ersten Wandertag im Kopf. Mit einem Umweg zum Mittagessen und den Einkäufen am Abend wurden daraus schließlich 31,8 Kilometer. Ein Unterschied, den die Füße selbstverständlich mitzählten.

Das sollte bei meinen Kilometerangaben während der Reise immer wieder eine Rolle spielen. Die Strecke zwischen zwei Unterkünften war nicht unbedingt das gesamte Tagespensum. Essen suchen, einkaufen und anschließend noch durch den Ort laufen – da kamen schnell einige Kilometer hinzu. Wer meine Camino-del-Norte-Etappen mit einer Streckenbeschreibung vergleicht, sollte das im Hinterkopf behalten.

Anstrengend wurde der erste Tag allerdings vor allem durch das Gelände. Ständig ging es bergauf und wieder bergab. Kaum war ein Anstieg geschafft, verlor man die Höhe wieder und durfte später erneut hinauf. Mein unmittelbarer Eindruck war eindeutig: Der Camino Francés war leichter gewesen.

Das war zunächst meine Erfahrung nach diesem einen Tag, kein abschließendes Urteil über beide Wege. Aber die Nordroute machte früh klar, dass sich ihre Belastung nicht allein an der Entfernung ablesen ließ. Eine Strecke von ungefähr 25 Kilometern klang deutlich gemütlicher, als sie sich mit den zusätzlichen Wegen und dem dauernden Auf und Ab tatsächlich anfühlte.

Bis auf das Wetter war der Tag für mich trotzdem in Ordnung. Ich war wieder unterwegs. Nur die Vorstellung einer überschaubaren ersten Etappe hatte mit dem tatsächlichen Tagespensum nicht mehr ganz so viel zu tun.
Instagram Bilder.

Weitere Fotos von diesem Tag gibt es in meinem Instagram-Beitrag.

Zarautz: Neue Wanderschuhe und ein selbst eingebauter Fotofehler

Am nächsten Tag ging es von San Sebastián nach Zarautz. Die eigentliche Wanderstrecke war mit ungefähr 22 Kilometern kürzer. Dafür lief ich anschließend noch einmal rund elf Kilometer im Ort herum. Ich hätte also auch einfach weiterwandern können.

Es gab allerdings Dinge zu erledigen. Ich suchte neue Wanderschuhe und hatte mich bereits nach Geschäften mit halbhohen Salomon-Schuhen sowie nach La Sportiva erkundigt. In Zarautz kaufte ich schließlich tatsächlich neue Schuhe (Testbericht). Dazu kamen Fragen rund ums Gepäck: Sollte ich Kleidung nach Hause schicken, und wo war die nächste Post?

Solche Dinge wirken neben Küstenlandschaft und Wanderkilometern vielleicht nebensächlich. Unterwegs beschäftigen sie einen aber ganz konkret. Was brauche ich? Was trage ich unnötig mit? Und was lässt sich noch ändern, bevor ich damit die nächsten Wochen weiterlaufe?

Zum Glück bestand der Aufenthalt nicht nur aus Erledigungen. Eis gab es auch.

Bei den Fotos hatte ich mir an diesem Tag selbst ein Problem eingebaut. Erst auf halber Strecke fiel mir auf, dass meine Kamera noch auf Blende 1,8 und eine Belichtungszeit von 1/300 eingestellt war. Ich hatte vergessen, die Einstellungen anzupassen. Entsprechend wenige brauchbare Bilder blieben übrig.

Das war ärgerlich. Zumal die Landschaft durchaus Anlass zum Fotografieren bot. Aber die Kamera konnte wenig dafür, wenn ich sie mit den falschen Einstellungen durch die Gegend trug.

Am Abend ging die Suche weiter, diesmal nach Essen. Mehrere vorgeschlagene Restaurants hatten geschlossen. Irgendwann hatte ich genug davon, weitere Möglichkeiten abzuklappern. Es wurden Baguette und Käse.

Damit war eine Kombination auf dem Speiseplan, die während meines Camino del Norte noch häufiger auftauchen sollte. Einfach zu bekommen, unkompliziert und vor allem unabhängig davon, ob gerade irgendwo eine Küche geöffnet war.

Weitere Fotos von diesem Tag gibt es in meinem Instagram-Beitrag.

Nach Deba: Die schönen Aussichten kosten Kraft

Zwischen Zarautz und Deba zeigte sich die Küste von einer Seite, die mir fotografisch sehr gefiel und körperlich einiges abverlangte. Zunächst ging es über die Höhen der Küstenhügel, später stärker auf dem E9 direkt an der Küste entlang.

Zum Fotografieren war das großartig. Für die Beine war es eine andere Geschichte.

Ich hatte das Gefühl, noch nie so viele Höhenmeter an einem einzigen Tag gelaufen zu sein. Wieder hinauf, wieder herunter, und anschließend der nächste Anstieg. Die Aussicht gab es hier nicht einfach neben einem flachen Spazierweg dazu.

Genau dieses Zusammenspiel prägte meine ersten Erfahrungen auf dem Camino del Norte. Ich fand die Landschaft schön und den Weg gleichzeitig ziemlich anstrengend. Das eine hob das andere nicht auf. Auch ein toller Küstenblick machte den nächsten Hügel nicht niedriger.

In Deba wurde es dann deutlich entspannter. Ich saß in der Sonne, als völlig unverhofft „Californication“ von den Red Hot Chili Peppers lief. In diesem Moment passte das einfach. Angekommen sein, Sonne und Musik – mehr musste gerade nicht passieren.

Zu den angenehmen Seiten des Weges gehörten für mich außerdem die ruhigen Stellen dazwischen. Wenn einmal niemand in der Nähe war, konnte ich mich einfach hinlegen und Pause machen. Dafür brauchte es keine besondere Sehenswürdigkeit. Manchmal war ein leerer, ruhiger Platz genau richtig.

Nach den ersten Tagen bestand der Camino für mich damit bereits aus sehr unterschiedlichen Dingen: anstrengenden Anstiegen, schönen Küstenabschnitten, praktischen Erledigungen und diesen kleinen Pausen, in denen nichts organisiert werden musste.

Weitere Fotos von diesem Tag gibt es in meinem Instagram-Beitrag.

Über Markina Richtung Morga: Bei der Unterkunft falsch hingesehen

Von Deba nach Markina-Xemein waren es ungefähr 28 Kilometer. Für meine damaligen Verhältnisse war das schon ein kürzerer Tag. An Höhenmetern fehlte es trotzdem nicht.

Kurz vor dem Ziel kam es mir vor, als würden wir die Stadt noch ewig im Zickzack umgehen. Man wusste, dass man sich näherte, aber der Weg wollte offenbar noch nicht direkt hinein. Gegen 14 Uhr war ich schließlich fertig. Nach den vorherigen Tagen fühlte sich das angenehm früh an.

Langsam gewöhnte ich mich an das ständige Auf und Ab. Auf der folgenden Etappe war deshalb weniger das Gelände mein eigentliches Problem als meine eigene Unterkunftsplanung.

Ich wollte nach Morga und war davon ausgegangen, dass der Ort praktisch direkt hinter Gernika-Lumo lag. Ungefähr zwei Kilometer noch, so hatte ich mir das vorgestellt. Ein ziemlich dummer Fehler, wie ich damals selbst schrieb.

Aufmerksam darauf wurde ich im Monasterio de Zenarruza. Ein Mann erklärte mir, dass meine Vorstellung von der Entfernung nicht stimmte. Das Kloster empfand ich als herrliche Wohlfühloase. Die Nachricht über den noch verbleibenden Weg passte dazu weniger gut.

Am Ende wurden es gut 39 Kilometer bis Morga.

Die Strecke war machbar, aber die zusätzlichen Kilometer hatte ich mir selbst eingebrockt. Ich hatte eine Unterkunft gebucht, ohne ihre Lage ausreichend mit meinem tatsächlichen Weg abzugleichen. Ein Ortsname in der Nähe des geplanten Ziels war eben noch keine Garantie für einen kurzen Anschluss.

Für meine weitere Planung war das eine ziemlich praktische Lektion. Entscheidend war nicht, ob eine Unterkunft auf den ersten Blick passend wirkte. Entscheidend war, wie weit ich tatsächlich bis zu ihrer Tür laufen musste.

Weitere Fotos von diesem Tag gibt es in meinem Instagram-Beitrag.

Bilbao: Nasse Kleidung und ein unerwartetes Wiedersehen

Auf dem Weg nach Bilbao beschäftigte mich vor allem das Wetter. Regen, Regen und noch mehr Regen. Irgendwann hatte ich kein einziges trockenes Paar Boxershorts mehr.

Das Problem endete nicht mit der Ankunft in einer Unterkunft. Die Kleidung musste trocknen, und am nächsten Morgen brauchte ich wieder etwas zum Anziehen. Wenn es unterwegs regelmäßig nass wurde, ließ sich das nicht einfach mit einem trockenen Nachmittag erledigen. Hier machte sich zumindest die Peak Design Shell Medium bezahlt: Die „Regenjacke“ für meine Kamera hielt meine Ausrüstung auch bei dem Dauerregen geschützt.

Mitten in Bilbao gab es dafür ein unerwartetes Wiedersehen. Vor mir stand die Frau, die mir in San Sebastián die Tür zum Hostel geöffnet hatte.

Gerade hatte ich noch darüber nachgedacht, ob ich durch mein Weiterlaufen überhaupt jemanden vom Anfang wiedersehen würde. Dann stand plötzlich eine bekannte Person vor mir. Ohne Absprache, mitten in der Stadt.

Meine Unterkunft in Bilbao war deutlich weniger erfreulich. Für 35 Euro pro Nacht bekam ich ein Bett in einem Zimmer mit acht Personen. Es gab kein Fenster, es war unangenehm warm, und in der Dusche fehlte die Halterung für den Duschkopf.

Mein Urteil fiel damals entsprechend deutlich aus: eine Katastrophe.

Die Unterkunft lag in Deusto. Zur Kathedrale hätte ich noch einen längeren Weg zurücklegen müssen, und darauf hatte ich keine Lust mehr. Also suchte ich nach näheren Möglichkeiten, etwas anzusehen und zu essen.

Auch das gehörte zu meinem Camino. Nach einem Wandertag wollte ich nicht automatisch noch jede Sehenswürdigkeit mitnehmen. Dass eine Stadt viel zu bieten hatte, bedeutete nicht, dass ich an diesem Abend auch noch die Energie für ein großes Besichtigungsprogramm hatte.

Weitere Fotos von diesem Tag gibt es in meinem Instagram-Beitrag.

Pobeña ist voll – und der Tag endet erst nach 49,3 Kilometern

Für die nächste Etappe war Pobeña als Übernachtungsort vorgesehen. Ich hatte nach Unterkünften dort und unmittelbar dahinter gesucht. Als ich an der Herberge ankam, gab es allerdings kein freies Bett mehr.

Damit war die bisherige Tagesplanung erledigt.

Vor der Municipal Albergue sprach ich noch mit zwei Frauen, bevor ich weiterlief. Später formulierte ich für eine Pilgergruppe eine Nachricht an sie: Falls sie zufällig mitlesen sollten, ich hätte es geschafft.

Bis dahin lag allerdings noch einiges an Weg vor mir. Mein Tag endete schließlich in Castro-Urdiales, am Campingplatz. Die Uhr zeigte 49,3 Kilometer und 66.523 Schritte.

Ich kam um 19:47 Uhr an. Der letzte Check-in war um 20 Uhr.

Viel Luft war da nicht mehr.

Diese lange Etappe war kein Versuch gewesen, einen persönlichen Rekord aufzustellen. Ich hatte schlicht eine Unterkunft gebraucht. Das fühlte sich anders an als ein bewusst geplanter langer Wandertag. Als Pobeña ausfiel, musste ich weiter, obwohl die Füße irgendwann genug hatten.

Für meine Erfahrungen mit den Unterkünften auf dem Camino del Norte war das ein entscheidender Tag. Eine volle Herberge war jetzt keine theoretische Möglichkeit mehr. Ich wusste, wie viele zusätzliche Kilometer daraus werden konnten.

Und die fast 50 Kilometer blieben nicht ohne Folgen für den nächsten Tag.

Weitere Fotos von diesem Tag gibt es in meinem Instagram-Beitrag.

Richtung Laredo: Diesmal war früher Schluss

Nach 28 Kilometern beendete ich die folgende Etappe, obwohl ich mein eigentliches Ziel noch nicht erreicht hatte. Ungefähr zehn Kilometer fehlten. Nach meinem damaligen Gefühl hätte ich es nicht einmal mehr bis hinunter in die Stadt geschafft.

Zur Erschöpfung kam eine Erkältung. Ich hatte Halsschmerzen, fror und fühlte mich schlapp. Im Hostal El Carro beschäftigte ich mich deshalb mit einer neuen Aufteilung der nächsten Tage.

Santander blieb mein Ziel. Nur passte der bisherige Plan gerade nicht zu meinem Zustand. Ich hoffte, am nächsten Morgen wieder mehr Energie zu haben, und wollte zunächst eine kürzere Strecke laufen.

Am Vortag waren fast 50 Kilometer irgendwie gegangen. Jetzt waren 28 genug.

Das war für mich eine deutlichere Aussage als jede theoretische Überlegung darüber, wie viele Kilometer am Tag machbar sein sollten. Meine Belastbarkeit blieb nicht jeden Morgen dieselbe, nur weil ich einen bestimmten Ort erreichen wollte.

Von Laredo ging es anschließend nach San Miguel de Meruelo. Viel von diesem Tag verlief am Sandstrand. Am Übernachtungsort war später allerdings wenig los. Mit einem Restaurant wurde es wieder nichts.

Also gab es Baguette und Ziegenkäse.

Die Kombination gehörte inzwischen fast schon zum Reisealltag. Der Weg wechselte, die Orte wechselten – beim improvisierten Abendessen war ich bereits ziemlich eingespielt.

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Santander: Wieder mehr Energie und Leben auf den Plätzen

Bis Santander ging es mir wieder besser. Für den Tag standen 34,5 Kilometer auf der Uhr, wobei vermutlich ungefähr acht Kilometer erst in der Stadt zusammenkamen. Ich übernachtete im Bereich des Busbahnhofs und schaute mich noch etwas um. Zwischendurch hatte ich überlegt, länger zu bleiben und eine Pause einzulegen. Letztlich lief ich am nächsten Tag weiter.

Santander gefiel mir, auch wegen des Blicks auf die Berge. Die Stadt selbst fand ich nicht besonders spektakulär. Mehr beschäftigte mich das Leben draußen: Menschen saßen auf den Plätzen zusammen, tranken etwas und aßen Kleinigkeiten. Kinder spielten Fußball oder tanzten.

Ich schrieb damals, dass ich das in dieser Form gefühlt seit hundert Jahren nicht mehr in Deutschland gesehen hätte. Natürlich war das mein persönlicher Eindruck. Aber dieses öffentliche Leben fiel mir während der Reise immer wieder auf. Nach dem Wandern irgendwo zu sitzen und zuzusehen, gehörte für mich genauso dazu wie die Strecke selbst.

Dafür brauchte es keine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit. Ein belebter Platz und etwas zu trinken konnten völlig reichen.

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Auf dem Weg nach Santillana: Erst zurück, dann außen herum

Die Etappe von Santander nach Santillana del Mar wurde länger als gewünscht. Zunächst musste ich noch einmal zum Hostel zurück, weil ich etwas vergessen hatte. Später kam ein weiterer Umweg hinzu: Eine Brücke über die Autobahn war außer Betrieb.

Am Ende waren es 43 Kilometer.

Solche Zusatzwege machten sich inzwischen vor allem an den Füßen bemerkbar. Ab ungefähr 40 Kilometern zog sich ein Tag für mich deutlich. Ob die letzten Kilometer durch einen schönen Abschnitt führten oder wegen einer gesperrten Brücke nötig wurden, änderte daran wenig.

Auch die Planung der nächsten Übernachtung wurde wieder schwierig. Am ursprünglich vorgesehenen Ziel war alles Bezahlbare ausgebucht. Nach Pobeña hatte ich keine Lust mehr auf „hinlaufen und hoffen“. Besonders am Wochenende war die Suche nach einem passenden Bett auf meiner Reise nicht immer einfach.

So ging es weiter nach San Vicente de la Barquera, wo ich im Nómada Hostel übernachtete. Bei den immer längeren Ortsnamen scherzte ich, dass sie bald einen eigenen Beitrag brauchten.

Das Wetter bot dagegen wenig Abwechslung: morgens Sonne, mittags Wolken, nachmittags Regen. Gerade genug, damit ich nass wurde und die Wäsche nicht vernünftig trocknete.

Eigentlich wollte ich bald einen Pausentag einlegen. Bis Llanes waren es aber noch ungefähr 45 Kilometer. Darauf hatte ich keine Lust. Also suchte ich einen Zwischenstopp, der die Strecke sinnvoll aufteilte.

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Pendueles: Drei Restaurants helfen auch nicht immer

Dieser Zwischenstopp wurde Pendueles. An einer zuvor empfohlenen Herberge war ich vorbeigelaufen, weil ich schon um 11 Uhr dort gewesen war. So früh wollte ich den Wandertag noch nicht beenden. Bis Pendueles kamen schließlich 31,9 Kilometer zusammen.

Im Ort selbst war anschließend wenig los. Ich bezeichnete ihn scherzhaft als Mittelpunkt des Lebens: Wer nicht aufpasste, lief einfach hindurch.

Beim Essen hatte ich mich erneut verschätzt. Zwei Restaurants waren geschlossen beziehungsweise nur am Wochenende geöffnet. Das dritte schloss um 17 Uhr. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Inzwischen kannte ich das Problem, aber angenehm wurde es durch die Wiederholung nicht. Auf der Karte konnte ein Ort mehrere Restaurants haben. Ob ich dort nach meiner Ankunft tatsächlich etwas zu essen bekam, war eine andere Frage.

Die Nacht war dafür recht gut. Und die Unterkunft hatte am Morgen einen praktischen Vorteil: Wenn man in einer Bar übernachtete, bekam man vor dem Loslaufen einen Café Americano.

Um 8 Uhr ging es weiter. Ungefähr drei Stunden später war ich in Llanes.

Weitere Fotos von diesem Tag gibt es in meinem Instagram-Beitrag.

Llanes: Endlich ein Tag ohne Wanderetappe

Mit den Wegen im Ort standen an diesem Tag 20,6 Kilometer auf der Uhr. Das war überschaubar, und in Llanes blieb ich für zwei Nächte. Endlich musste ich am nächsten Morgen nicht wieder zusammenpacken und weiterziehen.

Außerdem gab es hausgemachtes Eis in einer frisch gemachten Waffel. Nach den zuletzt etwas mühsamen Abenden mit geschlossenen Restaurants war das ein ausgesprochen angenehmer Teil der Versorgung.

Falls es weiterregnen sollte, bestand mein Plan aus Bier, Eis und Abendessen. Damit war der Tag ausreichend gefüllt.

Der Ruhetag lief dann tatsächlich ziemlich ruhig ab: aufstehen, essen, wieder hinlegen. Später etwas herumlaufen, Kaffee trinken, Eis essen und erneut hinlegen. Für 19 Uhr war Abendessen vorgesehen.

In meiner Tagesnotiz standen gerade einmal drei Kilometer.

Mehr musste es nicht sein. Ich brauchte kein Ersatzprogramm, um den fehlenden Wandertag auszugleichen. Nach den vielen langen Etappen war Ausruhen bereits eine sinnvolle Beschäftigung.

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Nach Ribadesella und Villaviciosa: Der Regen bleibt dabei

Von Llanes nach Ribadesella waren es ungefähr 34 Kilometer. Für meine inzwischen gewohnten Tagesstrecken war das eher kurz. Trotzdem taten die Knochen weh. Ich vermutete scherzhaft, dass das wohl dieses Älterwerden sei, von dem ich immer wieder hörte.

Dazu regnete es fast durchgehend. Wärmer als ungefähr 13 Grad wurde es nicht.

Für Fotos gab es unter diesen Bedingungen wenig Anlass. Die Kamera war dabei, aber daraus entstand nicht automatisch jeden Tag eine große Auswahl schöner Bilder. Manchmal war die wichtigste Nachricht einer Etappe einfach, dass ich angekommen war.

Bis Villaviciosa wurde der folgende Tag mit 42 Kilometern wieder länger als erwartet. Zwischen 7 und 12 Uhr regnete es. Danach wurde das Wetter endlich angenehmer zum Wandern: nicht zu warm, gelegentlich Sonne.

Immerhin trockneten die Hose und andere Kleidungsstücke. Schuhe und Socken blieben nass.

Das war ein Unterschied, den ich auf dieser Reise gut kennenlernte. Wenn es aufhörte zu regnen, war noch lange nicht alles trocken. Gerade an den Füßen begleitete mich das Wetter der vergangenen Stunden weiter.

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Gijón und Avilés: Anstrengend, aber für mich wenig reizvoll

Die Strecke nach Gijón brachte ungefähr 31 Kilometer auf dem eigentlichen Weg. Anschließend lief ich noch rund sechs Kilometer an der Promenade entlang, weil ich eine offene Bar suchte. Erfolglos.

Damit kam der Tag auf 37 Kilometer.

Ansonsten blieb mir die Etappe als eher langweilig in Erinnerung. Ich hatte keine besonderen Momente und nichts gesehen, das mich besonders angesprochen hätte. Die knapp 1.000 Höhenmeter waren trotzdem da.

Nicht jeder anstrengende Abschnitt wurde für mich durch eine schöne Aussicht ausgeglichen. Dieser Tag gehörte zu denen, die körperlich forderten, ohne dass mich die Umgebung besonders begeisterte.

Auch Gijón selbst holte mich auf dieser Reise wenig ab. Die Promenade war eine Ausnahme. Den Weg hinein und wieder hinaus empfand ich dagegen als trostlos. Richtung Avilés wurde es für mich ebenfalls nicht wesentlich interessanter, und bis ungefähr mittags regnete es erneut.

Nach 34,7 Kilometern hoffte ich vor allem auf einen schöneren nächsten Tag.

In dieser Phase machten sich außerdem meine Achillessehnen bemerkbar. Ich fragte nach Hilfe und beschäftigte mich mit Bandagen. Neben müden Füßen und schweren Beinen waren nun also auch Beschwerden da, die sich nicht einfach mit einer langweiligen Etappe erklären ließen.

Wie anstrengend ein Tag wurde, hing für mich allerdings nicht nur von der Summe der Höhenmeter ab. Auf dem nächsten Abschnitt merkte ich deutlich, welchen Unterschied deren Verteilung machte.

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Soto de Luiña: 40,5 Kilometer, die sich wieder besser liefen

Von Avilés nach Soto de Luiña passte endlich wieder mehr zusammen. Morgens schien die Sonne, später wurde es bewölkt. Es regnete nicht, und die Temperatur lag angenehm zwischen kalt und warm.

Auch die Landschaft gefiel mir wieder.

Mit 40,5 Kilometern war die Strecke lang. Trotzdem empfand ich die ungefähr 1.100 Höhenmeter überraschend wenig belastend. Die Anstiege kamen eher in kleineren Portionen: einmal 100 Meter, dann 150, zwischendurch wieder weniger. Das lief sich für mich anders als ein langer Aufstieg über mehrere Hundert Höhenmeter am Stück.

Die Gesamtzahl hätte allein also ein unvollständiges Bild ergeben. Nach den weniger schönen Tagen zuvor war das wieder eine Etappe, die mir gefiel.

In Soto de Luiña übernachtete ich in der Pilgerherberge. Für den nächsten Tag standen nach meiner Planung erneut ungefähr 41 Kilometer an. Ich scherzte, dass daraus wahrscheinlich wieder 50 werden würden.

Ganz so weit kam es nicht. Leicht wurde der Tag nach Luarca trotzdem nicht.

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Luarca: Jedes Tal musste mitgenommen werden

Auf den rund 40 Kilometern nach Luarca hatte ich bis ungefähr 14 Uhr das Gefühl, keinen geraden Meter gelaufen zu sein. Es ging in jedes Tal hinunter und auf der anderen Seite sofort wieder hinauf.

Nach dem angenehmeren Rhythmus des Vortages nervte mich dieses dauernde Wechselspiel erheblich.

Die Strecke an sich fand ich schön. Es gab allerdings weniger Aussichtspunkte, als ich gehofft hatte. Einen besonders schönen, ruhigen Platz zeigte mir schließlich ein Pilger aus Peru.

Ohne seinen Hinweis wäre ich darauf vielleicht nicht aufmerksam geworden. Für so eine Begegnung musste man nicht gleich mehrere Tage gemeinsam unterwegs sein. Manchmal reichte ein Tipp, damit ein bestimmter Ort Teil der eigenen Reise wurde.

Für die weitere Planung Richtung Ribadeo passte anschließend eine kürzere Etappe nach Navia. Nach den vielen langen Tagen war damit wieder früher Schluss.

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Navia und Ribadeo: Sonne und die letzten Küstenabschnitte

Die ersten 20 Kilometer bis Navia hatte ich bereits um 12:15 Uhr geschafft. Danach blieb Zeit für Barhopping. Mit den zusätzlichen Wegen standen am Ende 25,9 Kilometer in meiner Notiz, aber die eigentliche Wanderung war früh beendet gewesen.

Auch ein Sonnenaufgang gehörte zu diesem Abschnitt der Reise. Einen Meerblick gab es dabei nicht, trotzdem war das ein Motiv für die Kamera.

Weiter nach Ribadeo wurde es mit 39,7 Kilometern wieder deutlich länger. Nun war die Sonne zurück. Auf den letzten ungefähr zehn Kilometern fehlte der Schatten, was die Strecke zusätzlich anstrengend machte.

Dafür gab es unterwegs leere Strände.

Nach den vielen verregneten Tagen war das ein anderes Bild der Küste. Allerdings konnte auch das schönere Wetter das Laufen erschweren, wenn die Sonne über längere Zeit ungebremst auf den Weg schien.

Mir fiel außerdem auf, wie stark sich die Pilger auf verschiedene Varianten verteilten. Selbst wenn ich laut App nicht mehr auf der eingezeichneten Strecke unterwegs war, tauchten irgendwo wieder gelbe Pfeile auf.

Das fand ich ziemlich verrückt. Ein Wegzeichen bedeutete offenbar nicht automatisch, dass ich genau der Variante folgte, die meine App anzeigte. Für meine Orientierung musste ich beides zusammen betrachten.

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Nach Mondoñedo: Die Küste liegt hinter mir

Hinter Ribadeo ging es weiter ins Landesinnere. Bis Mondoñedo kamen 38,9 Kilometer zusammen. Die Etappe hatte schöne Waldabschnitte und gefiel mir grundsätzlich gut.

Die ungefähr 1.100 Höhenmeter in der Mittagssonne waren allerdings hart.

Ein Stück lief ich mit Franz aus Österreich. Wir waren ungefähr drei Stunden gemeinsam unterwegs. Anschließend war ich auch wieder froh, allein weiterzugehen.

Das passte für mich durchaus zusammen. Ich konnte mich über Gesellschaft freuen und später wieder die Ruhe beim Alleinlaufen genießen. Ich musste mich auf dem Camino nicht für eine dieser beiden Möglichkeiten entscheiden.

Nach dem langen Regen hatte ich die Sonne zunächst begrüßt. Inzwischen wurde die Wärme selbst zu einer Belastung. In meiner Notiz schrieb ich, dass es am nächsten Tag endlich wieder regnen sollte. Nach drei Tagen Dürreperiode werde das auch Zeit.

Ganz zufrieden war ich mit dem Wetter offenbar nur phasenweise.

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Vilalba: Ein steiler Morgen und viel Ruhe oben

Die Etappe von Mondoñedo nach Vilalba begann besonders anstrengend. Ich schätzte damals, dass auf gut zwei Kilometern ungefähr 550 Höhenmeter zusammengekommen seien. Das war mein Eindruck unterwegs, keine exakt vermessene Steigung.

Für die ersten fünf Kilometer brauchte ich jedenfalls fast drei Stunden.

Oben war es dafür wunderbar ruhig. Auf ungefähr 650 Metern Höhe konnte ich weit schauen und am Ende der Bergketten noch das Meer erahnen. Nach dem mühsamen Anstieg war das einer der besonderen Plätze dieses Tages.

Anschließend verlief die Strecke zum Glück überwiegend flacher. Die langen Aufstiege vom Morgen waren geschafft.

Vilalba selbst fand ich weniger reizvoll. Keine Stadt, in der ich unbedingt meinen Urlaub verbringen wollte. Immerhin bekam ich etwas zu essen. Nach insgesamt 35,6 Kilometern war das durchaus ein Argument.

Gleichzeitig begann ich, die letzten Tage genauer durchzuplanen und mehrere Unterkünfte vorauszubuchen. Bei sechs aufeinanderfolgenden Übernachtungen musste ich Orte, Entfernungen und Daten zusammenhalten. Das wurde im Kopf schneller unübersichtlich, als es zunächst klang.

Auch die digitalen Auskünfte halfen nicht immer zuverlässig. Ein Vorschlag führte über Lugo, obwohl das nicht auf meinem gewählten Weg lag. Eine vermeintliche 40-Kilometer-Etappe nach Sobrado erwies sich ebenfalls als deutlich länger.

Ich prüfte den Verlauf erneut und teilte die Strecke über Miraz auf.

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Miraz und Sobrado: Unter 100 Kilometer, aber kein Endspurt

Von Vilalba nach Miraz notierte ich wieder 35,6 Kilometer. Für mich war es ein langweiliger Wandertag mit wenig zu sehen. Unterwegs lag die verbleibende Strecke nach Santiago aber schließlich bei nur noch ungefähr 99 Kilometern.

Theoretisch hätte ich das in drei Tagen schaffen können.

Ich wollte trotzdem nicht auf den letzten Metern noch beschleunigen. Für den Abschluss plante ich kürzere Etappen von ungefähr 20 bis 25 Kilometern. Nach den vielen langen Tagen durfte es nun etwas entspannter werden.

Eine andere Umstellung fiel mir allerdings weniger leicht: Statt rotem Mahou gab es häufig Estrella Galicia. Damit war ich geschmacklich noch nie richtig warm geworden. Meine damalige Beschreibung reichte von schal bis „bah“.

Nicht jede regionale Veränderung auf einer langen Reise hat also mit Landschaft oder Architektur zu tun. Manchmal merkt man sie einfach beim ersten Schluck.

Die Etappe von Miraz nach Sobrado wurde mit 26,5 Kilometern bereits kürzer. Das passte gut, denn es wurde schnell warm, und nach 11 Uhr fand ich das Wandern zunehmend anstrengend.

Zum Fotografieren gab es für mich wenig. Dafür musste ich an diesem Tag auch keine 40 Kilometer mehr vollmachen.

Santiago rückte näher. Zunächst führte mich der Weg aber nach Arzúa – und dort wartete ein ungeplantes Wiedersehen mit meinem Camino Francés.

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Arzúa: Dieselbe Herberge, dieselbe Bar – fast genau ein Jahr später

Von Sobrado nach Arzúa waren es 24,9 Kilometer. Das Wetter war schön, und ich genoss den letzten noch vergleichsweise leeren Abschnitt. In Arzúa traf mein Weg auf den Camino Francés. Damit waren wieder deutlich mehr Pilger unterwegs.

Das hatte auch einen praktischen Vorteil: Endlich wurde es leichter, schon früher am Abend etwas zu essen zu bekommen. Nach den vielen geschlossenen Küchen und improvisierten Abendessen war das durchaus willkommen.

Bei der Unterkunft gab es dann eine Überraschung. Ich hatte dieselbe Herberge gebucht, in der ich fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor gewesen war. Absichtlich ausgesucht hatte ich sie nicht. Ich hatte mir vor der Buchung nicht einmal die Bilder angesehen.

So landete ich ohne geplanten Rückblick wieder an einem Ort meines ersten Caminos.

Später saß ich auch noch auf demselben Platz in derselben Bar wie im Vorjahr. Ich trank alkoholfreies Bier und beobachtete die Pilger, die noch weiterliefen. Für mich war die Tagesetappe bereits erledigt.

Nach all den neuen Orten der vergangenen Wochen war das eine ungewohnte Situation. Hier musste ich nicht erst herausfinden, ob ich schon einmal gewesen war. Ich kannte die Umgebung, die Herberge und den Platz vor der Bar. Trotzdem war ich diesmal auf einem anderen Weg hergekommen.

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O Pedrouzo: Kaffee, Frühstück und trotzdem früh am Ziel

Die nächste Etappe nach O Pedrouzo war mit 20,2 Kilometern kurz. Gefühlt bestand sie überwiegend aus Pausen: Kaffee, Frühstück, zweites Frühstück, Brunch und wieder Kaffee.

Trotzdem war ich bereits um 12 Uhr am Ziel.

Nach den langen Tagen im Norden war das ein deutlich anderer Rhythmus. Ich musste nicht bis zum späten Nachmittag unterwegs sein, um meine geplante Unterkunft zu erreichen. Auf dem letzten Abschnitt wurden die Möglichkeiten für einen weiteren Barbesuch allerdings knapp.

Für den folgenden Tag rechnete ich mit meiner Ankunft in Santiago gegen 13 Uhr. Einen Umweg für den Whiskykauf hatte ich dabei bereits eingeplant.

Nach Wochen, in denen ich mich ständig mit dem nächsten Ort, freien Betten und passenden Entfernungen beschäftigt hatte, lag Santiago nun nur noch eine kurze Wanderetappe entfernt.

Santiago: Ankommen und den Nachmittag genießen

Nach 20,3 Kilometern war ich angekommen. Meine Nachricht dazu fiel ziemlich unkompliziert aus: gleich einchecken und anschließend den Tag genießen. Morgen würde es weitergehen.

Santiago war ein wichtiges Ziel meiner Reise. Mein Weg sollte aber noch nicht dort enden.

Zum Ankommen gehörte für mich wieder mein kleines Ritual: nachmittags in Ruhe einen guten Whisky trinken, passende Musik hören und den Moment genießen. Ich beschrieb es damals mit den Worten „einfach innerster Ruhe“.

Dafür brauchte ich kein großes Programm. Nach den vielen Tagen unterwegs wollte ich mir genau diese Zeit nehmen.

Ein bisschen Organisation steckte trotzdem darin. Zum Whisky musste noch ein Glas her. So beschäftigte ich mich in Santiago unter anderem mit der spanischen Übersetzung von „Ich suche Gläser“. Zwischen Etappenplanung und Unterkunftssuche waren es manchmal solche Kleinigkeiten, bei denen ich unterwegs Unterstützung brauchte.

Das Wetter hatte sich inzwischen erheblich verändert. Am folgenden Tag verglich ich die Temperaturen mit den 35 Grad in Santiago. Die kühlen Regentage an der Nordküste waren vorbei. Auf den letzten Etappen hatte ich mir zeitweise schon wieder mehr Wolken gewünscht.

Bevor es nach Hause ging, wollte ich noch einmal ans Meer. Drei Wandertage bis Fisterra lagen vor mir.

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Nach Negreira: Wieder unterwegs, aber angenehmeres Wetter

Die 22 Kilometer von Santiago nach Negreira liefen sich angenehm. Es war bewölkt und warm, aber deutlich erträglicher als die Hitze des Vortages.

Der Weg führte viel durch Wald. Viel zu sehen gab es für mich ansonsten nicht. So knapp fiel auch meine damalige Beschreibung aus.

Nicht jede Etappe hatte einen besonderen Höhepunkt. Manche Tage bestanden hauptsächlich daraus, gut voranzukommen und am nächsten Ort anzukommen. Nach Santiago ging die Reise auf diese Weise erst einmal recht unspektakulär weiter.

Am folgenden Tag änderte sich das wieder.

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O Logoso: Eine schöne lange Etappe vor dem Abschluss

Von Negreira nach O Logoso kamen 38,1 Kilometer zusammen. Die Strecke gefiel mir sehr. Es gab Hügel, Flüsse und Seen, dazwischen allerdings auch längere Abschnitte an Straßen.

Die Landschaft erinnerte mich an den Camino Francés. Diesmal bezog sich der Vergleich also auf die Umgebung und nicht auf die Frage, welcher Weg anstrengender war.

Nach den kurzen Tagen vor Santiago war das wieder eine längere Wanderung. Gleichzeitig stand nun der letzte Abschnitt bevor.

Für den Weg nach Fisterra hatte ich ungefähr 33 Kilometer im Kopf und wollte gegen 15 Uhr dort sein. Tatsächlich wurden es von O Logoso über Fisterra bis zum Kap schließlich 37,5 Kilometer.

Weitere Fotos von diesem Tag gibt es in meinem Instagram-Beitrag.

Fisterra: Hier passte das Ende für mich

In Fisterra gefiel mir der Abschluss deutlich besser als in Santiago. Das hatte ich damals sehr klar geschrieben: Das Ende hier sei für mich „um Längen besser“.

Weniger Trubel, weniger Menschen und ein tolles Panorama. Dazu Sonne, Musik und Whisky. Hier wollte ich sitzen und die Reise noch einmal durchgehen.

Rund 1.150 Kilometer waren während der gesamten Reise zusammengekommen. Darin steckten auch zusätzliche Wege, Einkäufe und Stadtspaziergänge. Es war meine persönliche Bilanz der gelaufenen Kilometer, keine Angabe zur offiziellen Länge des Camino del Norte.

Nach den vielen Tagen mit einem neuen Ziel für den nächsten Morgen war ich nun tatsächlich am Ende meines Fußwegs angekommen.

Fisterra bot mir dafür genau die Umgebung, die mir in diesem Moment gefiel. Ich hatte das Meer, den weiten Blick und weniger Menschen um mich herum. Für mich war das der schönere Ort, um diese Reise abzuschließen.

Gleichzeitig wusste ich bereits, was mir fehlen würde: Spanien, das Wandern und die anderen Pilger.

Ich war häufig gern allein unterwegs gewesen. Trotzdem gehörten die Begegnungen zu dem, was ich an der Reise mochte. Ein gemeinsamer Abschnitt, ein Hinweis auf einen schönen Platz oder ein überraschendes Wiedersehen konnten einen Tag verändern. Dafür musste ich nicht dauerhaft in einer Gruppe laufen.

Am nächsten Morgen sollte es mit dem Bus zurück nach Santiago gehen. Ungefähr drei Stunden Fahrt – nach all den Tagen, an denen ich meine Strecke zu Fuß zurückgelegt hatte.

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Zurück nach Santiago: Zweimal Frühstück vor dem Bus

Vor der Abfahrt blieb in Fisterra noch reichlich Zeit. Ich wartete am Morgen ungefähr vier Stunden und frühstückte gleich zweimal.

Nach den vielen Gelegenheiten, bei denen Essen unterwegs schwerer zu bekommen gewesen war als erwartet, ließ sich das durchaus mitnehmen.

Zurück in Santiago kamen an diesem Tag noch acht Kilometer zu Fuß zusammen. Eine neue Fotorunde wollte ich dort nicht mehr machen. Die Bilder vom Morgen reichten mir.

Mein eigentlicher Wanderabschluss hatte bereits am Meer stattgefunden. Santiago war jetzt eine Station auf der Rückreise.

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Porto: Noch einmal Stadt, dann ein Streik

Mit dem Bus ging es weiter nach Porto. Ich hatte ein Hotel am Flughafen und fuhr von dort mit der Bahn in die Stadt.

Obwohl die eigentliche Wanderung vorbei war, kamen an diesem Tag noch 14,6 Kilometer zusammen. Die Bewegung hörte also nicht sofort auf, nur weil ich den Camino abgeschlossen hatte.

In Porto beschäftigte mich unter anderem eine ziemlich alltägliche Beobachtung: An Fußgängerampeln warteten Menschen, aber offenbar drückte niemand den Knopf. Das wunderte mich. Nach Wochen mit gelben Pfeilen und Wanderwegen war ich wieder bei Ampeln und Stadtverkehr angekommen.

Für den nächsten Tag wollte ich vor dem Heimflug noch einmal in die Stadt fahren. Daraus wurde wegen eines Streiks nichts. Eine Taxifahrt für 40 Euro pro Strecke war mir zu teuer.

So blieb es bei Wegen zwischen Flughafen, Einkauf und Hotel. Insgesamt kamen ungefähr drei Kilometer zusammen.

Am Flughafen war ich an diesem Tag mehrfach: zunächst wegen der ausgefallenen Bahnverbindung und später auf der Suche nach Essen. Die Preise machten die Auswahl allerdings nicht attraktiver.

Damit endeten meine Reiseaufzeichnungen ziemlich alltäglich. Nach Küstenlandschaft, langen Anstiegen und dem Kap von Fisterra ging es wieder um Fahrpläne, ausgefallene Verbindungen und die Frage, wo ich zu einem vernünftigen Preis etwas essen konnte.

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Was ich aus meinen Camino-del-Norte-Erfahrungen mitnehme

Kilometer allein reichen für die Etappenplanung nicht

Meine Tagesdistanzen lagen häufig über 30, teilweise über 40 Kilometer. Daraus sollte aber keine Empfehlung entstehen, den Camino del Norte genauso aufzuteilen.

Schon meine eigenen Tage ließen sich nur begrenzt miteinander vergleichen. Wetter, Höhenmeter und deren Verteilung machten einen erheblichen Unterschied. Dazu kamen die Wege nach der eigentlichen Wanderung. Die Suche nach einer Bar in Gijón oder die Erledigungen in Zarautz zählten für die Füße genauso wie die Strecke auf dem Camino.

Besonders deutlich war der Unterschied zwischen freiwillig und unfreiwillig langen Tagen. Bis Castro-Urdiales lief ich weiter, weil ich einen Schlafplatz brauchte. Am folgenden Tag musste ich früher aufhören, weil ich erschöpft und erkältet war.

Eine geplante Entfernung sagte damit noch nicht, wie der Tag tatsächlich enden würde.

Unterkünfte und Entfernungen gehören zusammen

Bei der Planung meiner Camino-del-Norte-Unterkünfte waren zwei Fragen entscheidend: Gibt es ein freies Bett, und wie weit muss ich tatsächlich dorthin laufen?

In Pobeña scheiterte es an der Verfügbarkeit. Bei Morga hatte ich die Lage falsch eingeschätzt. Später musste ich mehrere Vorausbuchungen mit den richtigen Orten und Daten zusammenbringen.

Aus diesen Situationen ergibt sich für mich der praktische Nutzen einer genauen Planung. Ein freies Bett hilft nur dann bei der Etappenaufteilung, wenn seine Lage auch wirklich passt. Und ein vermeintlich idealer Zielort bringt wenig, wenn dort alles Bezahlbare ausgebucht ist.

Besonders am Wochenende erlebte ich die Unterkunftssuche als schwierig. Nach der Erfahrung in Pobeña wollte ich mich nicht mehr darauf verlassen, dass sich vor Ort schon etwas finden würde.

Beim Essen zählt die Uhrzeit

Die Versorgung bestand bei mir aus Restaurantbesuchen, Kaffee, Eis und erstaunlich oft Baguette mit Käse.

Das lag nicht allein an der Auswahl im jeweiligen Ort. Häufig passten die Öffnungszeiten nicht zu meiner Ankunft. Früh am Ziel zu sein bedeutete nicht automatisch, auch früh warm essen zu können. In Pendueles halfen selbst mehrere vorhandene Restaurants nicht weiter.

Auf den letzten Etappen, nachdem ich in Arzúa auf den Camino Francés getroffen war, wurde das für mich wieder einfacher. Dort bekam ich früher am Abend etwas zu essen.

Für meinen Reisealltag waren diese Unterschiede mindestens so wichtig wie manche Sehenswürdigkeit. Nach einem langen Tag wurde eine geöffnete Küche schnell zu einem überzeugenden Argument.

Meine Kosten waren Teil der Entscheidungen

Eine verlässliche Gesamtsumme für die Kosten meines Camino del Norte kann ich aus den einzelnen Aufzeichnungen nicht nennen. Die Preise beeinflussten aber immer wieder meine Planung.

Eine zusätzliche Übernachtung für 120 Euro kam für mich beispielsweise nicht infrage. Gleichzeitig zeigte das Hostel in Bilbao, dass auch 35 Euro für ein Bett keine angenehme Unterkunft garantierten.

Bei einem Ruhetag ging es deshalb nicht nur darum, ob ich gern bleiben wollte. Unterkunft und Preis mussten ebenfalls passen. In Llanes funktionierte das. Dort bekam ich die Pause, die ich wollte, ohne daraus ein großes Freizeitprogramm zu machen.

Ausrüstung musste vor allem im Alltag funktionieren

Neue Wanderschuhe kaufen, über das Zurückschicken von Kleidung nachdenken und nasse Sachen trocknen: So sahen meine Ausrüstungsfragen unterwegs häufig aus.

Besonders der Regen machte deutlich, wie lange ein Problem bestehen bleiben konnte. Wenn am Nachmittag die Sonne herauskam, waren Schuhe und Socken nicht sofort trocken. Und in Bilbao fehlte irgendwann sogar trockene Unterwäsche.

Auch die Kamera war Teil des Alltags. Sie lieferte Erinnerungen, brauchte aber Aufmerksamkeit. Der Einstellungsfehler auf dem Weg nach Zarautz war selbst verursacht. An anderen Tagen fotografierte ich wenig, weil das Wetter nicht mitspielte oder mich der Abschnitt kaum ansprach.

Auch die Stromversorgung gehörte für mich zur Ausrüstung. Die Anker 737 Powerbank war auf dem Camino dabei und versorgte unterwegs unter anderem mein iPhone und die Kamera-Akkus. Gerade auf einer mehrwöchigen Wanderung war es praktisch, nicht bei jeder Gelegenheit auf eine freie Steckdose angewiesen zu sein. Die Powerbank nutze ich inzwischen seit rund eineinhalb Jahren. Wie sie sich dabei geschlagen hat und was ihr Display nach 29 Ladezyklen noch zum Akkuzustand anzeigt, habe ich in meinem Anker 737 Powerbank Test und Erfahrungsbericht festgehalten.

Bei digitalen Hilfen galt ebenfalls: Die Angaben brauchten Kontrolle. Ein gelber Pfeil musste nicht zur eingezeichneten Variante meiner App gehören. Und eine überzeugend formulierte Auskunft konnte eine falsche Entfernung enthalten. Gerade vor einer Buchung war das ein Unterschied mit ganz praktischen Folgen.

Mein Fazit: Anstrengender als der Francés, mit einem starken Abschluss am Meer

Der Camino del Norte war für mich körperlich anstrengender als mein Camino Francés. Vor allem das ständige Auf und Ab machte sich bemerkbar. Dazu kamen viele Regentage, nasse Kleidung und Abschnitte, die mich landschaftlich wenig begeisterten.

Ich würde den Weg deshalb nicht als durchgehend schöne Küstenwanderung beschreiben. Dafür gab es auf meiner Reise zu viele Tage, an denen sich die Strecke zog oder ich vor allem froh war, angekommen zu sein.

Genauso gehören aber die anderen Momente dazu: die Sonne und Musik in Deba, das Kloster Zenarruza, die Pause in Llanes und die leeren Strände. Der ruhige Aussichtspunkt, auf den mich der Pilger aus Peru aufmerksam machte. Das gemeinsame Laufen mit Franz und später wieder die Ruhe allein. Die zufällig erneut gebuchte Herberge in Arzúa.

Mein liebster Abschluss war Fisterra. Dort passten das Panorama, die Sonne und die geringere Zahl an Menschen für mich zusammen. Ich konnte sitzen, Musik hören und die vielen Kilometer noch einmal durchgehen.

Und obwohl unterwegs längst nicht alles angenehm gewesen war, wusste ich dort bereits, dass mir Spanien, das tägliche Wandern und die anderen Pilger fehlen würden.

Nächstes Jahr der Camino Português?

Eigentlich wollte ich nächstes Jahr aus Kostengründen kürzertreten und nur eine Woche in der Schweiz oder in Österreich wandern gehen. Aber so ganz lässt mich der nächste Camino doch nicht los. Der Camino Português entlang der Küste reizt mich schon: wieder mehrere Tage zu Fuß unterwegs sein, mit dem Meer an meiner Seite.

Diesmal würde ich Santiago allerdings ohne längeren Aufenthalt hinter mir lassen und direkt weiter bis zum Kap Fisterra laufen. Nach meinem Abschluss dort kann ich mir gut vorstellen, wieder am Meer anzukommen und die Reise dort ausklingen zu lassen. Entschieden ist noch nichts. Mal sehen, ob es nächstes Jahr wirklich bei einer Woche in den Bergen bleibt.

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Michael

Ich bin Michael Ende, unabhängiger Produkttester und Betreiber von TechTaste.de. Meine Erfahrungen stammen aus echter Praxis – beim Arbeiten, Campen, Schrauben, Reisen und im Alltag. Ich teste Produkte nicht im Labor unter Idealbedingungen, sondern dort, wo sie wirklich funktionieren müssen. Ich bin Mitglied im BDFJ – Bundesverband Digitalpublisher und Journalisten e.V. und verpflichte mich damit zu transparenten, ehrlichen und nachvollziehbaren Teststandards ohne Herstellerbeeinflussung. Die meisten Produkte werden von mir selbst gekauft, nicht gesponsert. Affiliate-Links ändern nichts am Ergebnis – gut bleibt gut, schlecht bleibt schlecht. Mit präzisen Messungen, technischer Expertise und vielen Jahren Handwerkserfahrung entstehen so Testberichte, die echten Mehrwert liefern – nicht Marketing.

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